Vegetarisch Geniessen in München
Himmlisch vegetarisch: Das Vegelangelo in München
Ein kalter, dunkler Abend im Oktober. Zwei eingeregnete, hungrige Gestalten machen sich auf den Weg ins Vegelangelo, dem Restaurant für Genuss-Vegetarier in München.
Rein in die U-Bahn, umsteigen und am Isartor wieder raus: dank Anfahrtsskizze auf der Homepage ist das Restaurant leicht zu finden. Und genauso umsichtig und kunden-orientiert wie der Plan auf der Homepage ist die gesamte Betreuung während unseres Restaurantbesuchs.
Zunächst gibt es - auch ohne Reservierung - einen schönen Tisch. Wir erfahren, dass im Vegelangelo alle Speisen frisch und auf Wunsch auch vegan zubereitet werden. Sie mögen keinen Knoblauch oder hätten gerne à la Sally in „Harry und Sally“ die Sauce extra und statt der Nudeln doch lieber Kartoffeln und eigentlich auch keinen Koriander sondern dafür Schnittlauch? Kein Problem, Frau Stegmayr, die Inhaberin des vegetarischen Restaurants und gleichzeitig auch Köchin und einzige(!) Servicekraft in Personalunion, macht alles möglich. Und das, so wie es scheint, auch völlig gelassen und sogar noch mit Spaß! RESPEKT!
Wir fühlen uns total wohl und eher als wirkliche Gäste denn als Kunden, was sicherlich daran liegt, dass Frau Stegmayr ihr Vegelangelo nach eigener Aussage eher als Wohnzimmer denn als Arbeitsplatz sieht. Ein guter Gastgeber denkt eben an alles – das sieht man auch beim Gang auf die Toilette. Für alle Widrigkeiten, denen frau so ausgesetzt sein kann, findet sich in dem Bad eine Lösung: Make Up, Körperlotion, etc. (wie das bei den Männern so ist, kann ich nicht beurteilen, denn trotz extremer Neugierde und obwohl kein Mann im Restaurant war, habe ich mich nicht getraut nachzuschauen, aber ich bin sicher, auch der männliche Gast findet alles, was er braucht). Apropos Wohlfühlen: das gesamte Restaurant ist liebevoll und kuschelig asiatisch angehaucht eingerichtet und in einem warmen, sonnigen Gelb gestrichen.
Lange Vorrede, jetzt aber endlich zum Essen: zusätzlich zu der bestehenden Karte gibt es regelmäßig wechselnde Tagesgerichte, alle auf Wunsch auch vegan. Ich schlemme mich durch eine reichhaltige Ingwer-Zitronengras Suppe (hmmmh, lecker mit Deko aus Zitronenpfeffer und Koriander). Sylke setzt noch eine Runde aus und steigt erst zum Hauptgericht ein mit Soja-Stückchen in Sesamöl auf Zitronengrasspieß, Reis und Mango Chutney. Beim Chutney wurde sie vorgewarnt, wollte aber trotzdem mal ausprobieren, wie scharf denn nun sehr scharf ist und hat das auch recht schnell herausgefunden.
Ich genieße mit Ricotta und Spinat gefüllte Gnocchi auf Avocado-Stückchen mit Tomaten - super frisch und ganz schön viel. Und das, obwohl in der Karte darauf hingewiesen wurde, dass die Portionen aufgrund der Nachfrage nun kleiner und dafür günstiger geworden sind. Die Speisekarte hält noch andere Überraschungen bereit: neben einer exzellenten Weinauswahl kann der Gast auch noch auf Wunsch eine Auswahl hausgemachter Brotaufstriche mit nach Hause nehmen. Da diese auf Anfrage frisch zubereitet werden, benötigt Frau Stegmayr eine Vorlaufzeit von mindestens 15 Minuten, dann bekommt man seinen Aufstrich. Darfs noch etwas mehr sein? Dann passt vielleicht noch ein Dessert. Für diejenigen, die es gern etwas feinsinniger hätten, empfehle ich einen Blick auf die hinteren Seiten der Speisekarte, wo sich eine Sammlung von Zitaten und Sinnsprüchen findet, die man auf Wunsch sogar per Mail bekommt, damit man sich nicht die Finger wund schreiben muss. Dass trotz Ambitionen auch immer noch Platz für Humor bleibt, zeigen Details, die man zum Teil nur durch Zufall findet wie z.B. als kleine gerahmte Postkarten als Wanddeko. Besonders griffig: „Die moderne Frau kocht ohne Sau“. In dem Sinne: auf ins Vegelangelo und guten Appetit!
Bettina Zammert
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